Unternehmenskultur wird zum Gamechanger in der Krise

Unternehmenskultur wird zum Gamechanger in der Krise
Bild: WORDFINDER GMBH & CO. KG

Unternehmenskultur wird zum Gamechanger in der Krise

Wie gut hat der Mittelstand die Corona-Krise überstanden? Konnten Unternehmen sogar davon profitieren und wenn ja, was war die Voraussetzung für den Erfolg? Eine Umfrage zeigt deutlich: Zwar gibt es Faktoren wie Branchenzugehörigkeit, auf die Betriebe keinen Einfluss haben. Aber mehrere Stellschrauben, um gut durch Krisen zu kommen und Chancen zu ergreifen, zeichneten sich ab: eine Vertrauenskultur, eine gute Organisation, saubere Prozesse und idealerweise agiles Arbeiten.

Auch, wenn die Inzidenzen wieder steigen: Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer ist doppelt geimpft, Home-Office Regelungen wurden etabliert und der Betrieb ist oft in hybriden Arbeitsmodellen organisiert. Es zeichnet sich ab, dass die umsatzbeeinflussenden Faktoren der Corona-Pandemie ihre Wirkung weitgehend verloren haben und kaum mehr relevant sind. Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Die CO-Improve GmbH & Co. KG – Managementberatung für leistungsstärkere Produktentstehung aus Eschborn hat ihre Kunden aus verschiedenen Branchen dazu befragt und den Status Quo analysiert. Fragen lauteten unter anderem wie die Krise die Unternehmen getroffen hat, wie man mit den neuen Umständen umgegangen ist und ob es wichtige Erkenntnisse gab, die zu Änderungen geführt haben. Außerdem wurde angesprochen, ob sich Unternehmen gut auf die Zukunft vorbereitet sehen. 

Die befragten Betriebe wurden im Hinblick auf Ergebnis und Umsatz insgesamt eher moderat von der Krise getroffen. Auf einer Skala zwischen 1 und 10 (gar nicht bzw. sehr stark) lag der Durchschnittswert bei 4,54. Allerdings gab es eine große Streuung um den Mittelwert – damit gibt es durchaus Betriebe, die stark beeinträchtigt wurden, aber auch solche, die regelrecht profitieren konnten.

Forschung und Entwicklung während Corona

Die Umfrage beleuchtete auch die Auswirkungen der Krise auf F&E-Projekte in Unternehmen. Auch hier variierten die Antworten: Größere Einschränkungen erfuhren tendenziell jene Firmen, die auch stärker im Hinblick auf Umsatz und Ergebnis betroffen waren. Andere konnten ihre Aktivitäten weitestgehend uneingeschränkt fortsetzen. 

Als Stolpersteine und Hindernisse stellten sich teilweise restriktive Sparmaßnahmen wie Kurzarbeit oder das Aussetzen der Nutzung externer Ressourcen heraus. Außerdem konnten Pilotierungen bzw. Validierungen nicht immer ohne Weiteres durchgeführt werden, da für diese Prozessschritte ein virtuelles Arbeiten nur bedingt möglich war. Konnten Projekte trotz der Einschränkungen weitestgehend fortgesetzt werden, machten die befragten Unternehmen agiles Arbeiten, Fokussierung und Priorisierung wie auch Prozessdisziplin als häufigste Faktoren für den Erfolg aus. Darüber hinaus war auch eine gut funktionierende IT-Infrastruktur mit ausreichender Kommunikationsbandbreite nötig. Die meisten Firmen hatten diese Rahmenbedingung bereits vorgefunden oder waren in der Lage, sie in kurzer Zeit zu schaffen.

Etwa 60 Prozent der befragten Unternehmen hatten bereits Erfahrung mit agilen Arbeiten bei der Entwicklung mechatronischer Produkte. Sie waren sich auch weitestgehend einig, dass agiles Arbeiten gegenüber den klassischen Methoden Vorteile in der Krise bewiesen hat. Klar erkennbar ist, dass Unternehmen, die vor der Krise keine agilen Methoden eingesetzt hatten, stärker von den Auswirkungen getroffen wurden. Agilität kann deswegen als ein wesentlicher Faktor einer resilienten Organisation angesehen werden. 

Veränderungen an Produktportfolio und Organisation

Die Krise hat bei rund einem Drittel der Unternehmen Veränderungen im Produkt-Portfolio bewirkt. Interessanterweise vor allem bei jenen, die geringere negative Auswirkungen in Umsatz und Ergebnis verspürten. Diese waren demnach eher in der Lage, zusätzliche Chancen zu nutzen, die sich bei Kunden und Märkten auftaten.

Rund 60 Prozent der Befragten  gaben an, dass die Erfahrungen aus der Krise zu Änderungen in der Organisation bzw. den Prozessen führen wird: Die Zeitanteile im Home-Office wachsen und einige Unternehmen haben in diesem Jahr angemietete Büroflächen gekündigt im Vertrauen darauf, dass hybrides Arbeiten keine temporäre Erscheinung bleiben wird. Auch die Kommunikation mit Kunden und Partnern wird stärker virtuell erfolgen, was zu deutlichen Anpassungen in Vertriebs-, Marketing- und Service-Prozessen führt. Die Akzeptanz bei Kunden auf diesem Weg angesprochen zu werden, war nie größer. Diese Chance sollten alle Unternehmen nutzen, um ein vertrauenswürdiges Netzwerk virtuell aufzubauen.

Vertrauenskultur und eine gute Vorbereitung

Insgesamt steht der Faktor Mensch stärker im Vordergrund: Viele Führungstechniken versagen beim virtuellen Arbeiten oder verlieren deutlich an Effizienz. Mitarbeiter müssen sich in ihren Teams selbst organisieren und Führungskräfte lernen, dass die Mitarbeiter auch im Home-Office intensiv und engagiert arbeiten. 

Gewinner sind hier ganz klar Unternehmen, die rechtzeitig in eine Vertrauenskultur investiert und bereits vor der Krise ihre Hausaufgaben gemacht haben, indem die Unternehmensstrategie sauber festgelegt und die erforderlichen Kompetenzen und Kapazitäten geplant bzw. beschafft wurden. Denn auch dieser Faktor scheint ein Treiber des Erfolgs in der Krise zu sein. 

Das Bild ist stimmig: Unternehmen, deren Mitarbeiter gewohnt sind, in einem Vertrauensverhältnis selbstorganisiert zu arbeiten – idealer- aber nicht notwendigerweise agil – sind im Vorteil. Am besten gelingt es den Mitarbeitern gute Ergebnisse zu generieren, wenn das Umfeld sauber vorbereitet ist. Das bedeutet, die Strategie ist klar und wird gelebt, die Teams sind adäquat besetzt und alle erforderlichen Kompetenzen in ausreichendem Maße vorhanden. Auch stabile und sauber dokumentierte Prozesse sind ein Erfolgsfaktor, denn wenn die Zusammenarbeit überwiegend virtuell erfolgt, fehlen die Räume für die kleinen Abstimmungen in der Kaffeeküche oder im Nachgang von Meetings. Damit gewinnen die Prozesse deutlich an Bedeutung für die Orientierung der Mitarbeiter, wann was erfolgen muss, und sind ein entscheidender Effizienztreiber.

Es ist nicht überraschend, dass sich Unternehmen, die weniger stark von der Pandemie getroffen wurden, auch für die Zukunft besser vorbereitet sehen. Insgesamt erreichen hier die Teilnehmer einen Durchschnittswert von rund 7,5. Es gibt aber auch hier eine breite Streuung bei der Bewertung.

Die zentralen Erkenntnisse aus der Umfrage von CO-Improve lauten folgendermaßen: Es lohnt sich immer, in die Resilienz der eigenen Organisation und Prozesse zu investieren. Dabei ist Agilität ein nachweisbarer Erfolgsfaktor. Ob Unternehmen von den Auswirkungen der Pandemie getroffen wurden, hing von vielen Faktoren wie der Branche ab: Unternehmen aus dem Automobil- bzw. Zuliefersektor wurden tendenziell stärker getroffen als andere Branchen. Es hat sich außerdem gezeigt, dass die Fähigkeit mit diesen Auswirkungen umgehen zu können, unterschiedlich ausprägt sind. Diese Fähigkeiten gilt es zu fördern und auszubauen. Denn resiliente Unternehmen schaffen es besser, in Veränderungen am Markt oder bei ihren Kunden Chancen zu erkennen und diese zu nutzen: ein weiterer Faktor, der zur Stabilisierung in einer Krise beiträgt. Außerdem ersichtlich: Strategisch denkende Unternehmer lernen aus den Erfahrungen und leiten darauf aufbauend die notwendigen Änderungen ein. Die Pandemie hat gezeigt, dass Resilienz tatsächlich schützt und dass konkrete Stellschrauben gibt, um (noch) resilienter zu werden. CO-Improve kann dabei unterstützen, die relevanten Faktoren zu identifizieren, zu bewerten und jene auszuwählen, mit denen Verbesserungen erreicht werden können.

Fazit 

Resiliente Unternehmen kommen besser durch Krisen: Sie können zum einen mit den Herausforderungen leichter umgehen, lernen aus Fehlern und nehmen entsprechende Anpassungen vor und erkennen darüber hinaus Chancen, wenn sie sich auftun. Abseits der Branchenzugehörigkeit haben sich drei Faktoren für Erfolg in der Krise als relevant herausgestellt: Unternehmenskultur, Arbeitsorganisation und saubere Prozesse. 

Autorin: Nadja Müller, IT-Journalistin für Wordfinder

Herbert Schönebeck, Leitender Berater bei CO Improve 

Werbung