Der Freigeist der Beständigkeit

Der Freigeist der Beständigkeit
Bildquelle TOPREGAL GmbH Geschäftsführer Jurgen Effner

Der Freigeist der Beständigkeit

In den letzten Jahren hat sich in der Unternehmenswelt viel getan. Auch in der Industriebranche nehmen Digitalisierung oder Industrie 4.0 einen immer größeren Stellenwert ein. Automatisierungen, Standardisierungen und Synchronisierungen von Prozessen sowie Informationsübertragung und -bereitstellung vereinfachen Mitarbeitenden die immer größer werdende Komplexität und das zuweilen auch wachsende Arbeitsaufkommen zu bewältigen. Doch die damit einhergehenden Umstellungen, Systemveränderungen und vor allem die Veränderung der eigenen Arbeitsroutine scheuen noch immer viele Geschäftsleitungen und auch Mitarbeitende oder sie gehen hier zumindest eher in kleinen, statt in großen Schritten voran. Dabei gibt es einen wichtigen wirtschaftlichen und zukunftsbeständigen Aspekt, warum so viele Prozesse wie möglich digitalisiert und automatisiert ablaufen sollten: In der Zukunft wird der Vertriebsweg nicht mehr Angebot und Nachfrage sein, sondern Nachfrage und Verkauf bei entsprechendem Angebot. Denn Kundinnen und Kunden sind Könige, und das werden sie in Zukunft immer mehr fordern.

„Es geht darum, die eierlegende Wollmilchsau Realität werden zu lassen.“

Klingt zunächst nach einem Scherz, aber in vielerlei Hinsicht ist es wahr. Für eine gute und langfristige Kundenbindung ist zu erwarten, dass in Zukunft immer häufiger sehr individuelle Lösungen, Produkte oder Dienstleistungen angeboten werden müssen. Auftragsbezogene Anfragen und Forderungen für Fertigung und Produktion nehmen bereits seit einiger Zeit zu und werden in naher Zukunft immer mehr in die Richtung auftragsbezogene Konstruktion gehen. Spätestens wenn die Generation Alpha, die als erste komplette Digital-Native-Generation definiert ist, ins kaufkräftige und unternehmerische Alter kommt, wird flexible Auftragserfüllung nicht mehr wegzudenken sein.

Die Ältesten dieser Generation sind 12 Jahre alt, sind es gewohnt, alles digital zu machen und sich ihre Produkte zu konfigurieren, zu personalisieren und für persönliche Nutzung zu optimieren. Diese Einstellung und Erwartung gilt aber nicht nur für Alltagsprodukte wie Technik, Autos, Lebensmittel, Kleidung oder Einrichtung, sondern wird zukünftig auch einen immer höheren Stellenwert auf B2B-Ebene einnehmen – auch in der Industriebranche. Für Geschäftsführungsebenen und Angestellte wiederum bedeutet das häufiger „out of the box“ zu denken, zu planen und umzusetzen. Das wiederum ist allerdings das Gegenteil von Standardisierung und bindet in Unternehmen zum Teil extrem viele Ressourcen. Aus diesem Grund scheuen sich Geschäftsführende oft, Projektabteilungen weiter auszubauen – aus Angst, weniger produktiv zu sein als die Konkurrenz. Doch genau hier liegen die Potenziale für Marktbeständigkeit. Hier gilt es Kraft und Entwicklung einzusetzen. Um das zu ermöglichen, muss das Tagesgeschäft optimiert werden. Prozessdigitalisierung, Industrie 4.0, KI oder Predictive Solutions bieten dazu hilfreiche Unterstützungen. Eine Standardisierung innerhalb der unternehmerischen Arbeiten ist nach wie vor wichtig, doch sollte diese, wo immer es möglich ist, auf Robotik, Automatisierung oder Sensorik setzen. Das bedeutet nicht, Personal zu entlassen, sondern ihre Kernaufgaben in einem größeren Maße weg von ausführenden Tätigkeiten hin zu entwickelnden Tätigkeiten zu verschieben.

Entwicklung und Flexibilität schöpfen Gewinnpotenziale aus

Oft kommen Entwicklungsgeist und zukunftsgerichtete Maßnahmen schlichtweg durch zu starre Arbeitsprozesse und zu wenig Zeit zu kurz im geschäftigen Alltag. Geschieht das zu lange, verliert ein Unternehmen den Anschluss zur Branche – denn Entwicklung steht nicht still. Und wenn Sie sie nicht vorantreiben, machen es andere. Es macht keinen Sinn, bei Personalanstellungen auf Referenzen, Erfahrung, Expertise und Spezialisierungen zu achten, wenn diese dann in der Folge nicht auch im Alltag genutzt werden. Und um diese nutzbar zu machen, gilt es neue Wege zu gehen. Nicht zeitorientiert, sondern zielorientiert arbeiten, so definiert sich der New-Work-Ansatz und funktioniert über eine moderne und konstruktive Diskussionskultur.

Dabei setzt er auf selbstständiges Arbeiten sowie Freiheiten, und das alles unter dem Zusammengehörigkeitsgefühl, am Ende die gestellte Aufgabe erfolgreich bewältigt zu haben. Nun kann nicht jeder Prozess, jede Maßnahme und jede Aufgabe diskutiert werden. Doch gibt es immer Punkte, bei denen es langfristig wirtschaftlich lohnt, innezuhalten und zuzuhören. Ein konkretes Beispiel aus der industriellen Konstruktion: Aus einer kundengetragenen Not entwickelte TOPREGAL eine fahrbare Werkbank. Dazu stellten wir als Arbeitgeber ein kleines Projektteam zusammen. Der Auftrag war nach kurzer Test- und Fertigungsphase fertig, der Kunde zufrieden und die Resonanz so gut, dass dieses Pionierprodukt der Multifunktionswerkbank MFW1000 in einer 4 – 6 Wochen dauernden Entwicklungszeit zur Serienreife weiterentwickelt wurde und das mit individuell wählbaren Komponenten. Mittlerweile gehört die MFW1000 zum Sortiment, kann von Kunden ganz nach eigenem Bedarf online konfiguriert und bestellt werden. Derartiger Pioniergeist mit Entwicklungserfolgen wirkt langfristig in zwei Richtungen positiv: Das Unternehmen deckt Nachfragen mit Angeboten ab, erwirtschaftet so weitere Gewinne und die Kundenzufriedenheit ist dabei sehr hoch, weil der Bedarf wirklich abgedeckt wird.

Das Potenzial liegt in den eigenen Reihen

Kreativität, Ingenieursneugier, Tüftlergeschick – schauen Sie sich doch einmal in Ihrem Unternehmen um, was für Menschen, Professionals, Potenziale haben Sie? Für unser Produktsortiment orientieren wir uns bei TOPREGAL zum Beispiel nicht am Wettbewerb, sondern an unserer Kundschaft und unseren eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Denn wer weiß besser, was sich Kundinnen und Kunden wünschen, als die Vertriebs- und Beratungsabteilungen, die täglich mit der Kaufkraft sprechen? Wer kennt die Material-, Konstruktions- und Montagefallstricke und auch -potenziale besser als die Werkprofis? Auch innerbetriebliche Abläufe können extreme Verbesserungen erfahren, wenn Vorschläge betroffener Mitarbeitender oder Abteilungen ernst genommen werden.

So motivieren wir unser Personal von der Verwaltung bis zur Lagerhalle, sich zu Wort zu melden, wenn sie Ideen haben, Bedarf bei Kundengesprächen sehen, für die es kein Angebot gibt, Fallstricke feststellen, für die sie Optimierungspotenzial sehen, Prozess- oder Kommunikationsabläufe verbessert werden können. Denn dass Risiken, Probleme oder Gefahren gering gehalten werden und der Arbeitgeber wirtschaftlich stabile Gewinne erzielen, ist in der Regel auch ein Anliegen der Belegschaft. Es geht ja nicht zuletzt auch um den eigenen Arbeitsplatz, Gehalt, Boni und andere Motivationsanreize. Wer hier mit seinem Team eine Kommunikation auf Augenhöhe pflegt, steigert nicht nur Motivation, Eigenverantwortung und die Freiheit, Ideen, Gedanken über Chancen oder Gefahren sowie auch Kritik zu äußern, sondern erhält oft noch zusätzlich kreative und zukunftsgerichtete Anregungen für neue Kundenprodukte, -dienstleistungen oder die Optimierung des bestehenden Sortiments. Doch auch innerbetrieblich kann dies eine enorme Entwicklungskraft bedeuten. Zum Beispiel in puncto Nachhaltigkeit bei Fahrzeugen, die im Unternehmensalltag viel im Einsatz sind, wie Hubgeräte, Gabelstapler oder Bagger. Ursprünglich galt es, in eigener Sache aktiv zu werden, um einen Minibagger komplett ohne fossile Brennstoffe zu betreiben. Das Ergebnis ist ein besonders leises Fahrzeug, das zukünftig im Produktportfolio erhältlich sein und mittels Lithium-Ionen-Batterie und Elektromotor betrieben wird. Dabei beträgt die Nutzungsdauer mehrere Stunden bei 0 Prozent Emissionen.

Autor: Jürgen Effner, Geschäftsführer der TOPREGAL GmbH.

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