Emissionen entlang der Lieferkette präzise berechnen – und kompensieren

Emissionen entlang der Lieferkette präzise berechnen – und kompensieren
Autor: Nico K. Pereira da Silva - COO der K&S Informatik GmbH . Bild: Privat

Emissionen entlang der Lieferkette präzise berechnen – und kompensieren

Lieferkrise, Energiekrise, Klimakrise: Lieferwege und ihre Emissionen rücken derzeit immer stärker in den Fokus. Kunden üben zunehmend Druck auf Unternehmen aus, weil sie die CO2-Emissionen entlang ihrer Lieferwege für ihre Reports benötigen und auch, weil die Nachfrage von Endkunden nach solchen Informationen wächst. Um diesem Informationsbedürfnis gerecht zu werden, muss der CO2-Ausstoß errechnet werden – und zwar zuverlässig und auf der gesamten Lieferstrecke. Der CO2-Rechner „CarbonCare“ leistet genau das. Zusätzlich stellt er auch Vergleiche an, wie die CO2-Bilanz auf alternativen Routen aussehen würde und klärt die Frage: Wie gut steht der gewählte Lieferweg hinsichtlich des CO2-Ausstoßes da?

Laut der International Energy Agency (IEA) ist die Logistik für über 24 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Globalisierung und E-Commerce tragen wesentlich zu einer Verschärfung der Lage bei: Kunden kaufen längst nicht mehr bei ihrem Händler vor Ort, sondern bestellen die gewünschte Ware übers Internet und erwarten eine möglichst schnelle Lieferung. Aber: Immer mehr Kunden hinterfragen angesichts des Klimawandels auch die Lieferketten, verlangen Transparenz und einen klimafreundlicheren Transport. Forderungen an die Branche, Treibhausgase – wo es geht – einzusparen, und eine sogenannte klimaneutrale „Grüne Logistik“ zu etablieren, werden deshalb immer lauter. Im Nachbarland Frankreich muss die CO2-Belastung bereits für alle inländischen Transporte berechnet und ausgewiesen werden – da ist es wahrscheinlich, dass andere Regierungen nachziehen und die Regelung bald nicht mehr nur auf den Binnentransport bezogen wird. Die ausgestoßenen CO2-Werte müssen in absehbarer Zeit wohl auf sämtlichen Lieferpapieren ausgewiesen und die Emissionen kompensiert werden. Um zu wissen, wie hoch die Emissionen auf den Lieferwegen sind und an welcher Stelle Einsparpotenziale bestehen, müssen die CO2-Werte aber genau errechnet werden.

CO2-Kalkulation von Tür zu Tür

Mit dem CO2-Kalkulator „CarbonCare“ ist dies von Tür zu Tür und für alle Verkehrsträger möglich – ob See, Luft, LKW, Zug, Fähre oder Binnenschiff. Das macht diesen CO2-Kalkulator so besonders, denn: Rechner zur Ermittlung ausgestoßener Emissionen gibt es zwar viele, dieser aber bezieht die gesamte Logistik mit ein. Der Emissionsrechner arbeitet standardisiert gemäß der Richtlinie EN16258, einer Norm, die sich auf alle Verkehrsträger konzentriert und global – und nicht nur auf regionale Gebiete – ausgerichtet ist.

Unternehmen geben für die Berechnung das Frachtgewicht und die gewünschte Berechnungsart ein, Güterumschlagsfaktoren sowie eine potenziell notwendige Kühlung oder erweiterte Lagerhaltung der Ware werden bei Bedarf also ebenfalls miteingerechnet. Anschließend werden Start- und Zielort festgelegt und sämtliche Transportmittel für die Teilstrecken eingegeben. Die Kalkulationsmodelle beruhen auf mehr als 3,5 Millionen Daten, die real gemessen wurden. Sie sind daher zuverlässig und ermöglichen eine präzise Erstellung der Emissionen. Die fällt indes nicht zum Nachteil des Speditionsunternehmens aus: Mit alten und ungenauen Daten wird oftmals ein höherer CO2-Ausstoß errechnet, sodass das Unternehmen in der Folge dann auch mehr Emissionen kompensieren müsste. Eine präzise Berechnung erlaubt hingegen eine präzise Kompensation.

Die Genauigkeit der Berechnung war aber auch die große Herausforderung bei der Entwicklung des Kalkulators: Die zahlreichen Messdaten und Berechnungen der Distanzen, Ladefaktoren, Leergutfahrten sowie der Energiemix der verschiedenen Transportarten galt es zu bestimmen.  Globale Bahnlinien oder Hochseerouten mussten dazu in mühseliger Arbeit zusammengetragen werden, weil sie nicht bereits an zentraler Stelle erfasst wurden und etwa zum Download zur Verfügung standen. Auch das Handling der Geokoordinaten stellte eine große Schwierigkeit da: Für den Rechner mussten eigens Listen für Flug- und Seehäfen, Städte, Ortscodes der Vereinten Nationen für Handel und Transport (UNLOCodes) sowie Kombinationen von Land und Postleitzahl erstellt werden. Hierzu wurde die Geolocation per Google eruiert und in einem Cache zwischengespeichert – das ermöglicht einen schnelleren Zugriff auf die notwendigen Standortdaten.

Alternative Routen berechnen und Emissionen kompensieren

Der CO2-Kalkulator ermittelt nicht nur die Emissionen auf der gewählten Lieferstrecke, sondern ermöglicht auch einen Vergleich mit alternativen Routen: Wie fällt der CO2-Ausstoß für die Lieferung aus, wenn beispielsweise nicht der Transportweg LKW, Schiff und LKW gewählt wird, sondern die Ware mit dem LKW zum nächstgelegenen Flughafen gebracht und vom Zielflughafen mit dem Zug weitertransportiert wird? Entsprechende Logiken zur Eruierung der nächstgelegenen See- und Flughäfen sind bereits im Rechner implementiert. Wichtig dabei: Der Vergleich bezieht sich rein auf den CO2-Ausstoß und nicht etwa auf einen kürzeren oder längeren Transportweg oder mögliche Kostenersparnisse.

Zusätzlich macht CarbonCare auch Angebote, die erzeugten Emissionen zu kompensieren. Unternehmen können hierzu ausgewählte Klimaschutzprojekte – zum Beispiel zu Aufforstung oder zum Ausbau erneuerbarer Energien – der gemeinnützigen Stiftung „myclimate“ oder des Beratungsunternehmens „ClimatePartner“ unterstützen und ihre unvermeidbaren Emissionen für den Warentransport dadurch ausgleichen.

Mit seiner Berechnung von Tür zu Tür und über alle Verkehrsträger hinweg, deckt der der CO2-Rechner offenbar eine Marktlücke ab: Täglich simulieren immer mehr Unternehmen Kalkulationen und errechnen ihre Emissionswerte. Vor allem größere Speditionen mit eigenen Marketingabteilungen erkennen den Mehrwert der Emissionsberechnung – weil es auf Kunden eben einen guten Eindruck macht, wenn der CO2-Ausstoß auf Lieferscheinen und Rechnungen transparent aufgeführt wird. Zusätzlich können Speditionen auch mit einem klimafreundlichen Transport werben, wenn sie die CO2-Ersparnisse gegenüber anderen Routen und Verkehrsträgern aufzeigen.

Nutzen lässt sich der Kalkulator am besten über eine Webschnittstelle (API). Mit entsprechenden Anpassungen durch den Anbieter des Speditionsprogramms, kann der Rechner auch direkt in der Software genutzt werden, die Ergebnisse werden in Echtzeit zurückgespielt. Alternativ können Anwender den CO2-Rechner aber auch mit Excellisten füttern, die ermittelten Emissionen liefert der Kalkulator dann innerhalb der Excelliste zurück.

Fazit

Mit dem CO2-Rechner CarbonCare, der sich in vorhandene Speditionsprogramme implementieren lässt, können Speditionen den CO2-Ausstoß entlang der gesamten Lieferstrecke ermitteln, von Tür zu Tür und über verschiedene Verkehrsträger hinweg. Dadurch erhalten Unternehmen eine präzise Ermittlung ihrer Emissionen. Zusätzlich lassen sich mit dem Kalkulator auch alternative Routen mit anderen Verkehrsträgern bestimmen, mit denen der CO2-Aussstoß bei der Lieferung verringert kann. Um die unvermeidbaren Emissionen auszugleichen, bietet CarbonCare auch Kompensationsprojekte von Partnern an. Der CO2-Kalkulatur leistet somit einen wertvollen Beitrag hin zur klimaneutralen grünen Logistik.

 

Autor:  Nico K. Pereira da Silva, Chief Operating Officer, K&S Informatik GmbH

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